Shodo Harada Roshi Foto: Roland Schmid Basel

Zazen üben und vollkommen verschmelzen.

Im täglichen Leben tragen wir ein Selbst mit uns herum, und wenn wir diese Beachtung des Selbst etwas weniger werden lassen, dann sehen wir eine Blume mit völlig anderen Augen. Die gesehene Blume und der Sehende sind vollkommen eins. Und dieses kann nur geschehen, wenn kein dualistisches Verstehen hinein kommt. Wenn man sich selbst mit allem als Einheit erlebt, dann kann man noch besser spüren und erleben. Und mit so einem Geist kann man alles Unangenehme und Schwierige ganz leicht tun. Weil die Lehrer sich in den Schülern sehen, können sie lehren, bis es vollkommen verstanden wurde.

Weil der Maler sich in der einen Blume sieht, deswegen kann und möchte er dieses malen. Ein Musiker hört sich selbst im Geräusch des Windes, im Geräusch des Regens, und von diesem Ort schreibt er ein Lied darüber. Jetzt ist jetzt. In dieser Zeit, in diesem Jetzt können wir die Essenz des Lebens spüren. In diesem Zustand ist der Geist vollkommen hell. Ich werde ich, die Zeit wird die Zeit. Das bezieht sich nicht nur auf die Zeit selbst, sondern auch auf den Raum. Hier ist hier. Das ist die Essenz des Zen. Wenn wir dies so sehen, dann ist die Weite des Universums in diesem einen Punkt. Dieser jetzige Moment ist der einzige und der ewige. Es ist dieser Schnittpunkt von Zeit und Raum, den wir ganz direkt erleben können. Wenn wir nachdenken oder uns über irgendetwas Sorgen machen, dann sind wir getrennt von diesem unmittelbaren  Punkt. Sind wir mit ihm eins, vergehen alle Sorgen. Es ist wichtig, dieses tiefe Erleben der Zeit zu erfassen und von dort her die Dinge klar und direkt zu erfahren.

von Shodo Harada Roshi