Baika Yuki ni Washite Kambashi

Die Pflaumenblüte riecht im Schnee

Wenn man den blühenden Pflaumenbaum sieht, so denken die meisten Asiaten, dass die Blüten weiß sind. Die Pflaumenblüte, der Bambus, die Chrysantheme und die Orchidee sind alles Pflanzen, die Glück bringen sollen. Sie sind Symbole der Reinheit und der Unzertrennbarkeit. Die Pflaume ist die erste Blüte des Frühlings und blüht noch zu recht kalten Jahreszeiten. Egal wie die Temperaturen fallen mögen, die Pflaume blüht in ihrer schönsten Pracht. Sie hält der Kälte stand und blüht noch, wenn sie mit Schnee bedeckt ist, so bringt sie Ehrlichkeit und Ausdauer zum Ausdruck. Der in der Einsamkeit lebende Weise Rin der Sung Dynastie in China von 963-1028, wird oftmals mit dieser Blüte in Verbindung gebracht. Obwohl er selten in der Öffentlichkeit erschien, so waren doch seine Verse über die Pflaumenblüte weit bekannt. In einem Gedicht wird der Winter beschrieben, wie das Wasser den klaren Mond und der Schatten des Pflaumenzweiges wieder spiegelt während man den Duft der Blüten riechen kann. Es gibt nur das helle Mondlicht und der Schatten des Pfaumenzweiges vor dem fließenden Wasser. Auch wenn der Zweig sich nicht bewegt, so zeigt sich doch eine große Weite. Dies war ein berühmtes Gedicht über die Pflaume von Rin.

Die Manyoshu, die älteste Sammlung japanischer Gedichte wurde im achten Jahrhundert zusammen gestellt, wobei viele der Gedichte von Pflaumen handeln. In meinem Garten fallen die Pflaumenblüten. Von diesem weiten Himmel fällt der Schnee genauso, wie die Blütenblätter fallen. Aber ist es Schnee oder sind es die Blütenblätter? Es ist schwer zu wissen. Die Schönheit liegt darin, dass man den Unterschied kaum feststellen kann. Das Kind auf meinem Rücken, ich wollte ihm die Blütenblätter zeigen, doch war es Schnee oder Blütenblätter? Der Schnee fiel, der Schnee tanzte… oder waren es die tanzenden Blütenblätter? Der Schnee fiel heute Morgen in meinen Garten und die Blüten an einigen Zweigen haben sich geöffnet.

Man kann es schwer historisch belegen, doch es wird gesagt, dass Bodhidarma zu Niso Eka Daishi sagte, als er an ihn das Dahrma weitergab: Eine Blüte öffnet die fünf Blätter und bringt eine Frucht hervor. Er wollte damit sagen, dass das Dharma Buddhas, das Zen an Niso Eka  weiter gegeben hat und dieses wird sich in der Zukunft in die fünf Richtungen des Zens weiterentwickeln.  So verbreitete sich das Zen durch ganz China und dann weiter bis nach Japan. Viel Meister davor und danach beschäftigten sich in Gedichten und in der Kalligraphie mit der Pflaumenblüte. Tsugaru Michizane, ein Schüler Hakuins, der bei ihm tiefe Erleuchtung fand, erhielt als Anerkennung einen Pflaumenzweig.

Es ist unmöglich, dass Menschen, die über 500 Jahre voneinander getrennt sind, zusammen Sanzen machen können, doch im Zen gibt es einen Ort, jenseits von Raum und Zeit, wo die Wahrheit des Dharmas klar zum Ausdruck kommt. Wenn wir dieses erleben, dann wissen wir, dass kein Wesen ein Produkt seiner Zeit ist. Das einzig wichtige ist das Erwachen und dieses Erwachen ist so wie die Reinheit der Pflaumenblüte.

Shodo Harada Roshi