Im Mumonkan heißt es: "Um Zen meistern zu können, mußt Du die Barriere der Patriarchen durchbrechen. Um diese ewige Weisheit zu erreichen, mußt Du Dich auf Dein Koan konzentrieren und Dein Ich töten. Wenn es Dir nicht gelingt, die Barriere zu durchbrechen und Du nicht stirbst um Weisheit zu finden, dann bist Du wie ein Geist, der an Büschen und Gräsern hängt."

 Solange ihr aber anhaftet an euren zahlreichen Wünschen, könnt ihr nicht wirklich frei sein. Euer Ich ist so ausgeprägt, denn immerfort versucht ihr dieses Ich zu befriedigen. Für euer Ich die schönsten Kimonos, für euer Ich die schmackhaftesten Speisen, das Beste für eure Kinder und Enkelkinder.

 

Vom chinesischen Mönch Gozu erzählt man, daß er sich in die Berge zurückzog, um sich weiterhin strenger Übung und Disziplin zu unterziehen, als ihn Leute von überall aus dem Land besuchten und selbst die Vögel aus den Wäldern ihm Blumen darbrachten. Was aber interessant und bemerkenswert ist, als Gozu  dann unter dem vierten Patriarchen die vollkommene Erleuchtung erlangte, kamen die Vögel nicht mehr ihm Blumen streuen. Es ist nicht gut, wenn das Bewußtsein eines trainierenden Menschen die Leute mit großer Bewunderung oder mit tiefer Dankbarkeit erfüllt, dafür müßte er sich schämen. Wie viel häßlicher noch sind jene religiösen Gruppen heutzutage, die vor der Öffentlichkeit mit ihrer Demut und Güte regelrecht prangen. „Ein Wunder hat sich ereignet“, heißt es dann. Werden solche Dinge über euch gesagt, dann ist es ein schlechtes Zeichen. Wenn es auf Religion ankommt, sind Menschen auf tiefem Niveau. Den Mönchen sage ich immer wieder, daß es nicht ihr Ziel ist, prächtige Brokatgewänder mit aufgesetzter Satori-Miene zu tragen und neben hohen Würdenträger aufzutreten. Wer die Erkenntnis erlangt hat, werfe alles von sich und vereine sich mit den ganz gewöhnlichen Menschen, ohne zu zeigen, daß er Satori erreicht hat. Nur auf diese Weise kann er den anderen Gutes tun und ihnen helfen. Denn durch den Kontakt mit ihm fühlen sich die Leute wohl und erwachen schließlich zu ihrer eigenen Natur.